Nutzt es, das Corona-Virus zum Feind zu erklären?

Aktualisiert: 10. Apr.

Auszug aus der Vortragsreihe: "Medizin trifft Homöopathie – das Corona-Virus"

Gasthaus zur Krone, Kronengasse 4, 89073 Ulm , 10.03.2020, 19:30 Uhr

Referent: Friedrich Witzig, Arzt für Allgemeinmedizin, Dipl. Biologe, Homöopath


Die Coronaviren gehören wie zwei weitere Familien zur Ordnung der Nidovirales und werden in drei Unterfamilie (α-, β- und -CoronaVirus) aufgeteilt. Die Coronaviren sind seit den dreißiger Jahren bekannt. Sie wurden zwischen 1930 und 1960 zuerst bei Hühnern mit Bronchitis, bei Schweinen mit Gastroenteritis und bei Mäusen mit Hepatitis und neurologischen Symptomen entdeckt. Erst als man nach Erregern von Erkältungskrankheiten suchte, isolierte man beim Menschen unter anderen das Coronavirus. 2002 verbreitete sich SARS (severe acute respiratory syndrom), 2012 MERS (middle east respiratory syndrom) und 2019 COVID 19 (corona virus disease) pandemisch. Bei SARS, MERS und COVID 19 handelt es sich um Stämme des Coronavirus, die einen Wirtswechsel vom Tier zum Menschen durchmachten.

Das Krankheitsbild der Corona Virus Infektion entspricht dem Bild der meisten Infektionen durch Viren und reicht von symptomlos über leichte bis schwere Erkältungssymptome, bis hin bis zu schweren, teilweise lebensbedrohlichen Lungenerkrankungen (interstitielles Lungenödem, virale Pneumonie und Lungenfibrose).

Auch wenn die Schwere der Krankheitssymptome mit dem Alter zunimmt, bleiben die Gründe dafür unbekannt. Daher gehören alle möglichen Verursacher auf den Prüfstand, die den Verlauf der Coronavirusinfektion beim Menschen beeinflussen können – also chronische Infektionen, die zuvor schon im Menschen schlummerten und mit der Infektion aktiviert wurden, belastende Schadstoffe aus der Umwelt, denen der Mensch ausgesetzt war, Medikamente, die wegen anderen Krankheiten, z.B. Asthma, Diabetes, Schmerzen, Bluthochdruck, usw. eingenommen werden oder Therapien, die im Rahmen der Akutbehandlung (Fieber, Schmerz, Atemnot, Viren usw.) verordnet werden.


Morbidität und Mortalität

Wissenschaftlich belastbare Aussagen zur Morbidität und Mortalität (Verhältnis der Zahl der Erkrankungs- und Sterbefälle zur Gesamtzahl der Infizierten) der Corona-Virus-Pandemie sind nur mittels statistisch signifikanter Stichproben zu ermitteln. Diese liegen im Falle der Corona-Virus-Pandemie nicht vor, sondern werden anhand der erhobenen Daten (Anzahl der Erkrankten und Todesfälle) geschätzt. Da es sich bei einer Pandemie um einen dynamischen Prozess handelt, ändert sich das Datenmaterial mit jeder Erhebung, so dass der Eindruck entsteht, dass Morbidität und Mortalität ständig ansteigen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Morbidität und Mortalität einer Infektion im Verlauf einer Pandemie mehr oder weniger konstant bleiben und lediglich um einen Mittelwert streuen.


Falsche Schlüsse

Auf Grund von Prognosen, die sich auf wissenschaftlich kaum belastbaren Berechnungen von Morbidität und Mortalität stützen, entsteht ein verzerrtes Bild von der Realität. Diese Verzerrung der Wahrnehmung spiegelt sich in dem Bild von der Pandemie wieder, die der Öffentlichkeit von den Fachleuten, der Politik

und den Medien vermittelt wird. Diese Fehleinschätzung hat falsche Reaktionen in der Bevölkerung zur Folge, unbegründete Ängste und Hamsterkäufe, falsche politische Entscheidungen wie dem Verbot öffentlicher Veranstaltungen, Sperrung von Grenzen, Verlust von Grundrechten, und zu falschen Ratschlägen der Medizin im Umgang mit der Pandemie.


Viren als Feind

Nicht nur die unzureichende Datenerhebung und wissenschaftlich unzulängliche Auswertung dieser Daten führt zu einem falschen Bild von den Viren. In der Medizin herrscht nach wie vor ein Bild von den Viren, das der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Da bedient man sich des Vokabulars der Kriegsberichterstattung, den Kampf aufnehmen, den Feind ausrotten und eliminieren, Bollwerke gegen den Feind errichten, das öffentliche Leben hat sich diesem Kampf unterzuordnen, Schutzanzüge, die an mittelalterliche Rüstungen mit heruntergelassenen Visier erinnern, usw.


Sind Viren Lebewesen?

Auch werden Zweifel angemeldet, ob Viren zu den Lebewesen zu zählen sind. Da sie nicht sichtbar sind und daher der sinnliche Eindruck wie beim Anblick einer Blume oder eines Tieres nicht möglich ist, sind wir auf Aufnahmen angewiesen, die mit Hilfe eines Elektronenmikroskops gewonnen wurden. Um solche Aufnahmen anfertigen zu können, müssen die Objekte präpariert werden; sie werden von einer wässrigen in eine alkoholische, dann eine acetonische Phase und am Ende in aufsteigende Aceton-Epoxitharz-Gemische überführt werden. In Epoxitharz eingebettet lassen sich ultradünne Schnitte anfertigen, die mit Blei und Uran „gefärbt“ werden müssen, damit die Strukturen im Elektronenmikroskop sichtbar werden. Das so erhaltene Bild zeigt ein Objekt, das den Eindruck von geometrisch angeordneten Kristallen aber nicht den eines Lebewesens vermittelt.


Viren aus Sicht der Evolution

In der Wirklichkeit befindet sich ein Virus in einer wässrigen Umgebung und man kann davon ausgehen, dass Viren die gleichen Eigenschaften zeigen würden wie im Lichtmikroskop beobachtbare Lebewesen. Die Evolutionsforschung vermittelt von den Viren ein weit über das eines Krankheitserregers hinausreichendes Bild. Viren stehen am Anfang der Evolution der Lebewesen. Wie in einem Experimetallabor testeten sie die spontan entstandenen Mutationen auf ihre Verwendbarkeit und nutzten alle sich bietenden Möglichkeiten des Zusammenwirkens. Sie bildeten Symbiosen, aus denen die ersten primitiven Einzeller (Bakterien) entstanden sind. Der Umstand, dass Viren eine weitaus größere Verbreitung haben als uns bisher bekannt war (2 Millionen Viren in 1 qml Meerwasser), dass keine lebende Zelle existiert, die keine Viren beherbergt und dass zwischen Viren und den übrigen Lebewesen eine Koevolution stattgefunden hat, legt den Schluss nahe, dass die Viren in der Evolution eine Rolle spielen, die sich der Wissenschaft bisher verschlossen hat.


Virus und Mensch

Dass Viren mehr als nur Krankheitserreger darstellen, lässt sich auch an der Rolle studieren, die sie beim Menschen haben. Als man entdeckt hatte, dass der Schleim, der die Darmwand bedeckt, sehr dicht mit Viren besiedelt sind, deutete man dies als Symbiose zwischen Mensch und Viren und betrachtete sie als Teil unseres Immunsystems. Wurden früher die Anteile der Viren am menschlichen Genom als genetischer Abfall angesehen, geht man heute davon aus, dass diese Gene die Embryonalentwicklung regulieren. Völlig überrascht war die Wissenschaft, als sie entdeckte, dass das Hüllprotein eines Retrovirus Bestandteil der vielkernigen Syncytien-Trophoblasten in der Plazenta ist, das die Abstoßung des Embryos durch das Immunsystem der Mutter verhindert. Im Buch von Frau Mölling, Supermacht des Lebens, werden noch weiter Symbiosen zwischen Mensch und Virus beschrieben, die wir beim Umgang mit Krebs und Bakterien zu unserem Vorteil nutzen.


Den Coronavirus zu einem Kriegsfeind zu erklären, kann sich unter Umständen als dumm erweisen, weil wir ja gar nicht wissen, welche Funktion dieses Virus im System der Tiere und des Menschen einnimmt. Man stelle sich nur vor, dieses Virus schützt uns, bestimmte Krankheitssymptome zu entwickeln.

Da das Coronavirus vermutlich von Tierpopulationen (Massentierhaltung) zum Menschen wechselte, müssen Fragen erlaubt sein.

- Was hat das Corona-Virus zum Wirtswechsel verleitet?

- Ist der Wirtswechsel typisch für Corona-Viren?

- Können alle Corona-Infizierten, also auch Tiere Virus-Überträger sein?

- Welche Rolle spielt das Virus im Ökosystem Mensch?

- Welche Rolle hat das Virus im Zusammenleben mit warmblütigen Tieren?

- Liegt der Pandemie eine Störung des Ökosystems zugrunde?


Die Coronavirus-Pandemie hinterlässt den Eindruck einer großen Völkerwanderung, dessen Ursache unbekannt bleibt.


Literatur

  •  Fields. Virology. 6th Edotion. Philadelphia: Wolters Kluver/ Lippincott Williams & Wilkins 2013

  •  Mölling Karin. Supermacht des Lebens. München: C.H. Beck 2015

  •  Roossinck Marilyn J. Viren! Berlin: Springer Nature 2018

  •  Ryan Frank. Virolution. Heidelberg: Spektrum 2010

  •  Villarreal Luis P. Viruses and the Evolutuion of Life. Washington: ASM 2005

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